Schloßfräulein von Giesenburg

Das Schlossfräulein von Giesenburg

Zwischen Untermeitingen und Obermeitingen auf der Höhe des Lechrains sei einmal ein Schloss gestanden, die Giesenburg.
Die Sage erzählt, dass bis herein in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts in dem Gebiet der ehemaligen Giesenburg ein Schlossfräulein umgegangen sei und angeblich einen verborgenen Schacht bewacht habe.
Noch im Jahre 1871 will ein Schäfer des Nachts unter einzigartigen Umständen das Fräulein gesehen haben. Er machte sich vermutlich um die Geisterstunde auf, um beim alten Beka (Neubau Rieder Franz), Weintrauben zu stehlen. An diesem Haus war nämlich ein verlockender Weinstock mit verbotenen Früchten gepflanzt.
Der Weg vom Schäferkarren herab zum Weinstock führte den Schäfer an den sogenannten Lehmgruben vorbei. Hier empfing ihn ein schwarzer Hund, der ihn ein Stück begleitete.
An der Schlossmauer erwartete ihn eine schwarze Katze, die nun mit ihm ging und auf der Friedhofmauer so lange wartete, bis er die Weintrauben gestohlen hatte.
Auf dem Rückweg kam unser Schäfer bis zur Höhle an der Lehmgrube. Da saß zu seinem Schrecken das Fräulein auf einer Reisetasche. Er rief es an, bekam aber keine Antwort. Er lief dorfeinwärts und weckte seinen Freund, einen Knecht, der unweit im Dorf wohnte, wo sich jetzt das Anwesen Mörbeth befindet. Dieser war aber nicht zu bewegen mit zu gehen, so dass es der Schäfer wohl oder übel allein mit dem unheimlichen Fräulein aufnehmen musste.
Bis er wieder an die Höhle heran kam, ging das Fräulein schon vor ihm her und nieste heftig ein- um das andere Mal. Aber der sonst so beherzte Schäfer hatte doch nicht den Mut ein kräftiges „Helf Gott!“ zu rufen. Wer weiß, ob er sich nicht auf diese Weise sein Glück verscherzte; denn sicher hätte ihm das Fräulein den verborgenen Schatz der versunkenen Giesenburg gezeigt. So aber saß es dem Schäfer wie ein Alb auf der Brust und wie Zentnerlast auf den Schultern. Und um recht mutig und tapfer zu sein, brachte er nur noch das nicht gerade höfliche Wort heraus: „Du kannst mir den Buckel hinauf steigen.“ Aber unserem Schäferlein war es durchaus nicht so geheuer. Er wusste vor Angst nicht mehr recht, wie er seinen schützenden Schäferkarren erreichte, und die widerrechtlich erworbenen Weintrauben mögen ihm wohl auch nicht recht geschmeckt haben.
Auch der Pfarrer Georg Endres soll einmal auf dem nächtlichen Heimweg von Langerringen, wo er in Gesellschaft beim Biberwirt beim Tarocken gewesen war, mit dem Fräulein im Taubental zusammengetroffen sein.
In der Gesellschaft hatte man noch vor dem Heimgehen scherzhafter Weise von dem Fräulein gesprochen und siehe, als er in die Gegend des Taubentals kam, da war das „Fräula“ schon da. Und ob er auch das Johannes-Evangelium betete, die geisterhafte Erscheinung ließ sich nicht mehr bannen und begleitete ihn fasst bis nach Haus.
Am anderen Tage habe dann der Pfarrer sein unheimliches Erlebnis seinen Kirchpfleger anvertraut, durch welchen es der Nachwelt überliefert wurde.
Ob es wahr ist oder ob der Kirchenpfleger ein Schalk war, kann hier nicht untersucht werden.

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